Wahlprüfsteine 2011

Zusammenfassung der gesundheitspolitischen und sozial- gesellschaftlichen Forderungen für mehr Gesundheit von Frauen und Mädchen mit Behinderungen

Mit dem Ziel der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention für ein inklusives Gesundheitswesen, leiten sich aus der Beratungspraxis des Netzwerks behinderter Frauen Berlin e.V. die folgenden Forderungen ab:

1.  Im medizinischen Alltag sollen die besonderen Bedarfe behinderter Frauen und Mädchen (siehe Fachinformationen) bekannter und damit besser berücksichtigt werden. Dies kann nur im Zusammenwirken verschiedener Beteiligter geschehen. Um das Thema zunächst in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, halten wir als Auftakt eine Tagung für erforderlich.


 

2.  Eine Anpassung der GKV-Rahmenbedingungen für die Situation von Frauen und Mädchen mit Behinderungen ist notwendig:- Um das Befinden und damit die Leistungsfähigkeit im Alltag zu verbessern, soll es mehr Aufmerksamkeit für nicht-invasive Therapiemethoden im chronischen Bereich geben. Dazu gehört ein höherer Stellenwert für regelmäßige Physikalische Therapie. Für Assistenzbedarfe beim An- und Auskleiden bedarf es einer praktikablen Lösung. - Die Entscheidung, ob und welche Heil- und Hilfsmittel gewährt werden sowie über notwendige Alltagshilfen, sollte unabhängig von einer Erwerbstätigkeit erfolgen. Die Ziele Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, Erhalt und Verbesserung eigener Funktionen und das Hinausschieben von Assistenzbedarfen sind dem Ziel, die Arbeitskraft zu erhalten, gleichzustellen. Hier sehen wir den Gesetzgeber in der Pflicht. - Es bedarf eines individuellen Präventionsbudgets für Maßnahmen derTertiärprävention für Schwerbehinderte, die wegen Art und Schwere ihrerBehinderung nicht an allgemeinen Präventionsangeboten teilnehmen können.


 

3.  Frauen mit unterschiedlichen Behinderungen brauchen freien Zugang zu - Arztpraxen, zu heilberuflichen Praxen und zu the rapeutischen Praxen sowie - zu Frauenhäusern, Zufluchtswohnungen, Frauenberatungsstellen und Frauenprojekten. Bauliche und kommunikative Barrieren sind abzubauen und die Zugänglichkeit der medizinischen Versorgungseinrichtungen sollte veröffentlicht werden. Ebenfalls sollten höhenverstellbare/flexible Untersuchungsmöbel bereitgehalten werden. (Untersuchungsliegen, Gynäkologische Stühle, Zahnarztstühle) Bei der Notwendigkeit des Umsetzens aus dem Rollstuhl in einen Behandlungsstuhl, (z.B. bei Augen- oder HNO-Ärzten) müssen die Armlehnen wegklappbar sein oder eine ausreichende Bewegungsfläche für einen Rollstuhl (Behandlung ohne Umsetzen) vorhanden sein. Die Röntgenapparaturen beim Mammographie-Screening müssen auch für Frauen, die nicht allein frei stehen können, nutzbar sein.


 

4.  Wir fordern den Senat von Berlin auf, in den Curricula zur Aus- und Fortbildung von Kranken- und AltenpflegerInnen sowie von Hebammen und ArzthelferInnen in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk behinderter Frauen Berlin e.V. entsprechende Lehrinhalte zu verankern. So dass die Auszubildenden lernen können: - in allen Tätigkeitsfeldern geschlechtsspezifische Gesichtspunkte zu berücksichtigen - die Besonderheiten verschiedener chronischer Erkrankungen und Behinderungen einschließlich sogenannter geistiger Behinderungen und psychischer Behinderungen kennen lernen - befähigt werden, die Symptome von Gewalt und Missbrauch zu erkennen.