• Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 18. September 2011

 

Wahlprüfsteine Netzwerk Frauengesundheit Berlin

 

Präambel

Das Netzwerk setzt sich ein für eine frauengerechte Gesundheitsförderung, -forschung und -versorgung. Bei allen gesundheitspolitischen und gesellschaftlichen Vorhaben sind die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen zu berücksichtigen.

Das Netzwerk vereinigt Vertreterinnen aus Organisationen und freien Trägern, wissenschaftlichen und klinischen Forschungseinrichtungen, Senats- und Bezirksverwaltungen sowie interessierte Fachfrauen, die mit geschlechtsspezifischen Aspekten der Gesundheitsförderung und -versorgung befasst sind.

Für die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin hat das Netzwerk Frauengesundheit insgesamt 24 Wahlprüfsteine aus sechs Bereichen erarbeitet.

Ziele der Wahlprüfsteine sind:

-

auf drängende Probleme im Bereich Frauengesundheit in unserer Stadt aufmerksam  zu machen und Lösungsvorschläge anzubieten,

 

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die politisch Verantwortlichen zu beraten, welche fachpolitischen Maßnahmen

notwendig sind,

 

-

Lösungswege für die Umsetzung der genannten Probleme in der nächsten Legislaturperiode zu beraten und einzufordern.

 

Hauptanliegen des Netzwerks Frauengesundheit Berlin für die nächste Legislaturperiode sind:

 

Frauengesundheitseinrichtungen absichern und verstetigen

In Berlin ist eine frauenspezifische Versorgungsstruktur durch anerkannte Träger entwickelt worden. Diese bedarfsorientierten, qualitätsgesicherten Frauen- und Gesundheitsprojekte müssen abgesichert und notwendige Weiterentwicklungen möglich gemacht werden. Die Einhaltung der Schuldenbremse, die die Länder vereinbart haben, darf nicht zur Gefährdung dieser wichtigen Versorgungsstruktur für Frauen und ihre Kinder führen.

 

 

Frauenarmut entgegenwirken – Frauengesundheitsrisiken mindern

Armut von Frauen geht mit erheblichen gesundheitlichen Risiken und Folgen einher. Von Armut betroffen sind in Berlin vor allem alleinerziehende, arbeitslose, ältere, chronisch kranke und suchtkranke Frauen, besonders dann, wenn sie einen Migrationshintergrund haben. Armut von Frauen entsteht aber auch durch Gewalterfahrungen, insbesondere wenn dadurch die Gesundheit der Betroffenen beeinträchtigt ist.

Die politisch Verantwortlichen werden aufgefordert, verstärkt  Programme gegen Frauenarmut zu entwickeln und durchzuführen sowie existenzsichernde Beschäftigung von Frauen, besonders für die genannten Zielgruppen zu fördern. Unterstützungsangebote für diese Zielgruppen sind zu erhalten und auszubauen.

 

Frauenspezifische Themen in Forschung, Lehre und Ausbildung sichern und weiterentwickeln

Frauengesundheit braucht eine frauen- und geschlechtsspezifische Public- Health/ Gesundheitsforschung. Berlin bietet wie kein anderer Standort das Potential, innovative Forschungsvorhaben in der Frauengesundheit voranzutreiben und zu etablieren. Allerdings sind die in Berlin vorgehaltenen Strukturen in der Frauen- und Geschlechterforschung in den Sozial- und Gesundheitswissenschaften sowie in der Medizin nicht nachhaltig gesichert. Und auch in der Aus-, Fort- und Weiterbildung in den Gesundheitsberufen sind frauenspezifische Themen und Aspekte signifikant unterrepräsentiert und müssen dringend verankert werden.

 

Wahlprüfsteine

1.     Themenbereich - Gesundheitliche Folgen  von Gewalt

1.1.  Einrichtung einer Landeskoordinierungsstelle sexuelle Gewalt unter
        Berücksichtigung des Themas „Gesundheitliche Folgen von Gewalt“

1.2.  Einrichtung einer überregionalen Traumatherapiestation für Frauen  mit
        angeschlossener Tagesklinik und Kinderbetreuung.

1.3.  Verankerung des Themas Gewalt gegen Frauen und Kinder und gesundheitliche
        Folgen in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Gesundheitsfachkräften

2.     Themenbereich - Reproduktive Gesundheit

2.1.  Verstärkung von Beratungs- und Betreuungsangeboten für Frauen mit 
        Wochenbettdepressionen und anderen psychischen Störungen vor und nach der
        Geburt eines Kindes
        Weiterer Ausbau von multiprofessionellen Netzwerken im Sinne Früher Hilfen
        Ressortübergreifende Ansätze, Bereitstellung von mehr finanziellen und zeitlichen
        Ressourcen für die Netzwerkarbeit mit Müttern/Familien

2.2.  Vermeidung von ungewollten Schwangerschaften durch die rezeptfreie Vergabe der
        „Pille danach“

2.3.  Flächendeckende gynäkologische Versorgung für Frauen mit Behinderungen
        - adäquate Finanzierung durch die Kassenärztliche Vereinigung Berlin

3.     Themenbereich - Frauen und Sucht

3.1.  Erweiterung frauenspezifischer Suchthilfeangebote
        -  Aufstockung der Notunterkünfte für Frauen von derzeit acht (+2 Notplätze) auf 20
        Plätze
        -  Einrichtung einer zentralen Wohnunterkunft (12 Plätze) für süchtige Frauen mit
        Doppeldiagnose

3.2.  Erhalt eines geförderten Arbeitsmarktes für Beschäftigung und beruflichen
        (Wieder-)Einstieg clean bzw. abstinent lebender Frauen in Arbeit. Erhalt von Arbeits-
        und Beschäftigungsprojekten für diese Zielgruppe. Entwicklung spezieller
        Förderinstrumente für die Zielgruppe

3.3.  Ausbau des Beratungs- und Behandlungsangebots für suchtkranke Frauen mit
        Migrationshintergrund

3.4.  Zugangswege zum BEW (Betreutes Einzelwohnen) nach § 67 bzw. BEW nach § 53
        SGB XII (Sozialgesetzbuch, Zwölftes Buch, Sozialhilfe) erleichtern,
        Schnittstellenmanagement bei den Kommunen  verbessern

4.     Themenbereich - Migration und Frauengesundheit

4.1.  Sicherstellung der psychotherapeutischen und psychologischen Versorgung
        von Frauen mit Migrations- und Fluchthintergrund

4.2.  Anerkennung bzw. Erleichterung von im Herkunftsland erworbenen 
        Berufsabschlüssen und beruflichen Erfahrungen im Gesundheitswesen
        und im sozialen Bereich von in Berlin /Deutschland lebenden Migrantinnen

4.3.  Kultursensible geschlechtsspezifische Datenerfassung in allen
        Gesundheitseinrichtungen als Grundlage für Forschung, Versorgung und
        Berichterstattung

4.4.  Finanzielle Absicherung der Einsätze der Sprach- und Kulturmittler/innen
        des Gemeindedolmetschdienstes in Kliniken, gesundheitlichen und sozialen
        Beratungsstellen /Projekten und im Öffentlichen Gesundheitsdienst sowie
        Weiterentwicklung des Berufsbildes „Sprach- und KulturmittlerIn“

4.5.  Sicherung einer kultursensiblen medizinischen Versorgung nicht
        versicherter Migrantinnen

4.6.  Förderung und Begleitung bei der Aus- und Fortbildung von Migrantinnen
        im Gesundheitswesen, Beispiel: Hebammen, medizinische Fachangestellte
        und Krankenpflegerinnen

5.     Themenbereich - Frauen mit Behinderungen /Chronischen Erkrankungen

5.1.  Anpassung der GKV-Rahmenbedingungen für die Situation von Frauen und
        Mädchen mit Behinderungen

5.2.  Freien Zugang zu Arztpraxen, zu heilberuflichen Praxen und zu
        therapeutischen Praxen sowie zu Frauenhäusern, Zufluchtswohnungen,
        Frauenberatungsstellen und -projekten

5.3.  in den Curricula zur Aus- und Fortbildung von MedizinerInnen, Kranken-
        und AltenpflegerInnen sowie von Hebammen und ArzthelferInnen
        Lehrinhalte zum Thema Frauen mit Behinderungen /Chronischen
        Erkrankungen verankern

5.4.  Wegfall der Hinzuverdienstgrenzen im Sozial- und Rentenrecht bei
        Schwerbehinderten

6.     Themenbereich - Brustkrebs

6.1.  Verbesserung von Kommunikation und Information bei Diagnostik und
        Therapie von betroffenen Frauen, Flächendeckende bedarfsgerechte
        Ausstattung mit Breast Care Nurses

6.2.  Beseitigung schädigender Umweltfaktoren wie Hormon imitierende und
        krebsauslösende oder die Entstehung von Krebs und anderen
        Erkrankungen begünstigende Substanzen – Primäre Vermeidung
        etablieren, gesunde Lebenswelten für  Frauen sicherstellen

6.3.  Transparenz des Forschungsgeschehens bei den in Berlin durchgeführten
        klinischen Studien und die Registrierung aller klinischen Studien im von der
        WHO anerkannten und öffentlich einsehbaren Deutschen Register
        Klinischer Studien

6.4.  Schaffung der finanziellen Grundlage für ein zentrales klinisches Krebsregister am            Dachverband der Berliner Tumorzentren

 

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Nächster öffentlicher Termin:

Mittwoch, 14. 3. 2012

16 Uhr, Raum 230

in der Senatsverwaltung für
Wirtschaft, Technologie und Forschung

Martin-Luther-Str. 105
10825 Berlin


Plenum