Unsere Sprechzeiten:

„Hormonell wirk­same Chemikalien wirken sich negativ auf die Lebenswelten von Frauen aus - Die Politik muss handeln!“

Interview der AG Brustkrebs des Netzwerks Frauengesundheit Berlin mit

Dr. Andreas Gies (Umweltbundesamt, Leiter der Abteilung II 1 – Umwelthygiene):

1.  Sie beschäftigen sich im Umweltbundesamt seit vielen Jahren mit den Auswirkungen von bestimmten Chemikalien auf das Hormonsystem bei Mensch und Tier. Wie kam man damals auf diese Zusammenhänge?

In den 1940er bis 1970er Jahren wurde das synthetische Östrogen Diethylstilbestrol (DES) von vielen Ärzten schwangeren Frauen verschrieben. Die Hersteller bewarben dieses Medikament damit, dass es Fehl- und Frühgeburten verhindere und die Babys kräftige. Nichts davon war wahr, wir wissen heute, dass keine der versprochenen Wirkungen erzielt wurde. Die Töchter der Mütter, die mit diesem Mittel behandelt wurden, durchlitten ihr Leben lang oftmals ein Martyrium. (...)

Lesen Sie hier weiter das vollständige Interview (16.10.2017)


Hormonell wirksame Stoffe: die unsichtbare Gefahr - Menschen und Umwelt schützen!

Vortrag von Dr. Silvia Pleschka (WECF e.V.) vom 10. September 2016

WECF e.V. , "Women Engage for a Common Future", wurde 1993 als non-profit Organisation gegründet und ist ein internationales Netzwerk von 100 Frauen-, Umwelt- und Gesundheitsschutzorganisationen.


Vermeidung von Brustkrebs durch Senkung der Chemikalienbelastung:

Die neue Studie des Silent Spring Institute

Die Zeitschrift Environmental Health Perspectives hat am 12. Mai 2014 eine neue Studie zu Chemikalien veröffentlicht, die im Verdacht stehen, Brustkrebs zu verursachen. Die in der Studie gelisteten 102 Chemikalien wurden im Tierversuch von Ruthann A. Rudel et al. (2007) vom Silent Spring Institute als Karzinogene für Brustkrebs identifiziert.

Den volländigen Text finden Sie im BCAarchive.


Internationaler Brustkrebsmonat Oktober 2018

"Vorsorgenden Gesundheitsschutz etablieren: Netzwerk Frauengesundheit Berlin fordert Schutz vor hormonell wirksamen Chemikalien im Alltag"

"Anlässlich des Internationalen Brustkrebsmonat im Oktober 2018 erinnert das Netzwerk Frauengesundheit Berlin daran, dass vorsorgender Gesundheitsschutz und Primärprävention nicht nur im Oktober wichtig sind.

Wir sind besorgt über die anhaltend hohen Neuerkrankungsraten. In Deutschland erkranken zurzeit über 70.000 Frauen jedes Jahr neu an Brustkrebs und unter der Annahme gleichbleibender Erkrankungsraten für Frauen zwischen 50 und 74 Jahren prognostizierte das Robert-Koch-Institut einen weiteren Anstieg auf über 77.000 Neuerkrankungen für das Jahr 2020.

Neben den anerkannten Risikofaktoren stehen seit einiger Zeit hormonwirksame Stoffe, sog. EDCs (Endocrine Disrupting Chemicals), im Verdacht, das Brustkrebsrisiko zu erhöhen. Diese Stoffe, wie zum Beispiel Substanzen aus der Gruppe der Phthalate oder Bisphenol A, befinden sich in vielen Alltagsprodukten. Sie können im Körper von Frauen hormonelle Wirksamkeit entfalten. (...)"

Presseerklärung (12.10.18)


Prävention von Brustkrebs ernst nehmen - Politik muss handeln

Stellungnahme des "Netzwerk Frauengesundheit Berlin" zum Brustkrebsmonat Oktober 2017:

Wenn es bisher um das Thema Brustkrebs ging, lag der Schwerpunkt ausschließlich auf der Verbesserung von Früherkennung und Behandlung. Das reicht nach Ansicht des "Netzwerk Frauengesundheit Berlin" nicht aus. Anlässlich des internationalen Brustkrebsmonats im Oktober ruft das Netzwerk dazu auf, stärker als bisher die Aufmerksamkeit auf die Vermeidung von Brustkrebs zu legen.

Hier finden Sie die vollständige Presseerklärung (12.10.2017).


Erfolge und Forderungen der AG Brustkrebs im Jahr 2016

Die AG Brustkrebs hat sich 2016 überwiegend mit den Themen Krebsregistrierung und Umweltbelastungen als Krebsursache für Brustkrebs befasst.

Krebsregistrierung
Neu war 2016 die Einführung des Klinischen Krebsregisters (KKR) für Berlin und Brandenburg, wie im Staatsvertrag vom 1. April 2016 festgelegt und ab dem 1.Juli 2016 in Kraft getreten. Die AG Brustkrebs begrüßt die Umsetzung und sieht hier Chancen für eine größere Transparenz des Versorgungsgeschehens und in der Folge auch Verbesserungen der Behandlung von Krebserkrankungen bei Brustkrebs.

Thema Umweltbelastungen und Krebsentstehung im Zusammenhang mit Brustkrebs
Hierzu ist 2016 der Artikel "Brustkrebs und Umweltbelastungen: Erkennen, verstehen, vermeiden“ von Gudrun Kemper erschienen (sowohl in der Clio wie auch in der Deutschen onkologischen Zeitschrift).

Ausführliche AG-Bericht (2016)


Mammografie-Screening: Kritik nimmt massiv zu - Neubewertung gefordert

Verschiedene medizinische Organisationen sprechen sich inzwischen gegen das Mammografie-Screening aus.
Das unabhängige Swiss Medical Board (SMB), ein Schweizer Expertengremium aus Medizin, Ethik, Recht und Ökonomie, empfiehlt, das Mammografie-Screening zu beenden. Hauptgrund sei das ungünstige Nutzen-Risiko-Verhältnis.

Diese Beurteilung stützt sich auf einen 83-seitigen Bericht. Darin wird das Mammografie-Screening auf seine Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit überprüft. Für diese Aufgabe hat das SMB keine neuen Studien durchgeführt, sondern die vorhandenen Studiendaten kritisch analysiert. Dabei sind die Experten, die sich immer wieder mit umstrittenen Verfahren in der Medizin beschäftigen, zu ähnlichen Ergebnissen gelangt wie andere vor ihnen. Die Frauen stürben zwar seltener an Brustkrebs, nur sei dieser Effekt mit 1 bis 2 verhinderten Todesfällen pro 1000 "gescreenten" Frauen relativ bescheiden, so die Fachleute. Denn diesem Nutzen stünden 100 Fehlbefunde gegenüber, die zu vielen unnötigen Abklärungen und Behandlungen führten.

Eine überfällige Aufforderung sei dies, eine ernsthafte, öffentliche Diskussion zu beginnen, so kommentieren Ingrid Mühlhauser und Gabriele Meyer vom Deutschen Netzwerk für Evidenzbasierte Medizin (DNEbM). Zu beunruhigend seien die wissenschaftlichen Ergebnisse aus den letzten Jahren, die einen Nutzen des Mammografie-Screenings in Frage stellen und den bisher unterschätzten Schaden deutlich machen. Die Informationsprozesse im deutschen Screening-Programm seien nicht geeignet, den Frauen informierte Entscheidungen zu ermöglichen. Einer aktuellen Umfrage des Gesundheitsmonitors von Barmer GEK und Bertelsmann-Stiftung zufolge glaubt jede dritte Frau sogar, die Mammografie könne Brustkrebs verhindern, über Schäden wussten die wenigsten Frauen etwas. Fazit: Auf dieser Grundlage können Frauen keine "informierte Entscheidung" fällen.


Frauen überschätzen den Nutzen des Mammografie-Screenings kolossal

Ende Februar 2014 wurde der Gesundheitsmonitor von Barmer GEK und Bertelsmann Stiftung veröffentlicht. Mehr als 1800 Frauen haben an der Erhebung teilgenommen, in der es darum ging, ihre Erwartungen und ihren Kenntnisstand gegenüber der Mammografie zu erfassen. Die Befragung zeigt, dass Frauen den Nutzen des Brustkrebs-Screenings massiv überschätzen und die Schadenspotenziale erheblich unterschätzen. Prof. Norbert Schmacke, einer der Autoren des Gesundheitsmonitors, hält das Ausmaß der Informationsdefizite für besorgniserregend: "Es mangelt insbesondere bei der Einladung zum Screening an verständlichen und evidenzbasierten Informationen sowie an Zeit und Gelegenheit, sich eine eigene Meinung bilden zu können", so der Professor der Universität Bremen. Dies unterstreicht Prof. Marie-Luise Dierks, Leiterin der Patientenuniversität an der Medizinischen Hochschule Hannover: "Wir haben die Verpflichtung, ausgewogen und verständlich über den Nutzen, aber auch die Risiken des Screenings aufzuklären und den Frauen eine gute Entscheidung zu ermöglichen."

Das Vertrauen in die Früherkennung ist in Deutschland - wie in vielen anderen Ländern - ungebrochen: Für 90 Prozent der Frauen überwiegt klar der Nutzen der Mammografie, ein Drittel sieht die Bilanz bei 90 zu 10, ein weiteres Drittel bei 80 zu 20. Und 30 Prozent der Frauen im Gesundheitsmonitor sind fälschlicherweise gar der Meinung, dass die Mammografie verhindern kann, Brustkrebs zu bekommen. Danach gefragt, wie viele Brustkrebstodesfälle verhindert werden, wenn 1000 Frauen ab dem 50. Lebensjahr an der Mammografie teilnehmen, tippten die Teilnehmerinnen im Mittel auf 237 gerettete Leben. Dem Stand der Wissenschaft zufolge sind es 5 von 1000 Frauen, die nicht an Brustkrebs sterben - diese Zahl nannten nur vier Prozent der Befragten.

GesundheitsexpertInnen sind wesentlich weniger euphorisch. Peter Gotzsche, der Leiter des Nordischen Cochrane Zentrums, das die Vor- und Nachteile medizinischer Tests und Therapien untersucht, sagt: "Der wirksamste Weg für eine Frau, die verhindern will, dass sie zur Brustkrebspatientin wird, besteht darin, nicht zum Screening zu gehen."
Eine große Studie, die im British Medical Journal (Bd. 348, S. g366, 2014) erschien, bestätigt die Skepsis. Die Untersuchung, die über einen Zeitraum von 25 Jahren die Folgen des Mammografie-Screenings in Kanada an 90.000 Frauen erfasste, kam zu niederschmetternden Ergebnissen: Die Todesfälle durch Brustkrebs waren genauso häufig bei Frauen, die fünf Jahre lang jährlich zur Mammografie gingen wie bei jenen, die nie eine Röntgenuntersuchung der Brust anfertigen ließen. In den 25 Jahren, die die Nachbeobachtung dauerte, stellten die ÄrztInnen nicht nur keinen Nutzen der Mammografie fest, sondern sogar einen Schaden für etliche Frauen: Jeder fünfte Krebs, der mittels einer Mammografie entdeckt wurde, stellte keine gesundheitliche Bedrohung für die Frau dar, die durch den Befund aber massiv verunsichert wurden. Die kanadischen AutorInnen kommen zu dem Schluss, dass dringend überlegt werden sollte, mit welcher Begründung weiterhin am Mammografie-Screening festhalten werden soll. Diesem Fazit schließen sich Harvard-MedizinerInnen um Mette Kalager in einem Kommentar für das British Medical Journal an. Wahrscheinlich sei der Anteil der Überdiagnosen in anderen Ländern mit Screeningprogrammen sogar noch höher als die in Kanada erhobenen 22 Prozent, vermutet Kalager. Sie vergleicht das Mammografie-Screening mit dem PSA-Test auf Prostatakrebs, der von unabhängigen Ärztegesellschaften abgelehnt und in vielen Ländern aufgrund des fragwürdigen Nutzens nicht von den Kassen erstattet wird.

Das Risiko, in den folgenden 20 Jahren an Brustkrebs zu sterben, liegt mit Screening bei 1,5 Prozent, ohne bei 1,9 Prozent. Für einen 50-jährigen Mann liegt das Risiko, in den folgenden 20 Jahren Prostatakrebs diagnostiziert zu bekommen, bei 3,9 Prozent, wenn er das Screening mitmacht, gegenüber 2,7 Prozent ohne Screening. Hier liegt die Rate der Überdiagnosen sogar bei erstaunlichen 45 Prozent.
Viele Frauen nehmen aus Unsicherheit und Sorge am Screening teil und nicht, weil sie von den Pro-Argumenten überzeugt sind. Angst ist in Gesundheitsfragen ein schlechter Ratgeber. Ausgewogene Informationen würden so manche unnötige Untersuchung verhindern. http://www.bmj.com/content/348/bmj.g366


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