Mammografie-Screening: Kritik nimmt massiv zu - Neubewertung gefordert

Verschiedene medizinische Organisationen sprechen sich inzwischen gegen das Mammografie-Screening aus.
Das unabhängige Swiss Medical Board (SMB), ein Schweizer Expertengremium aus Medizin, Ethik, Recht und Ökonomie, empfiehlt, das Mammografie-Screening zu beenden. Hauptgrund sei das ungünstige Nutzen-Risiko-Verhältnis.

Diese Beurteilung stützt sich auf einen 83-seitigen Bericht. Darin wird das Mammografie-Screening auf seine Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit überprüft. Für diese Aufgabe hat das SMB keine neuen Studien durchgeführt, sondern die vorhandenen Studiendaten kritisch analysiert. Dabei sind die Experten, die sich immer wieder mit umstrittenen Verfahren in der Medizin beschäftigen, zu ähnlichen Ergebnissen gelangt wie andere vor ihnen. Die Frauen stürben zwar seltener an Brustkrebs, nur sei dieser Effekt mit 1 bis 2 verhinderten Todesfällen pro 1000 "gescreenten" Frauen relativ bescheiden, so die Fachleute. Denn diesem Nutzen stünden 100 Fehlbefunde gegenüber, die zu vielen unnötigen Abklärungen und Behandlungen führten.

Eine überfällige Aufforderung sei dies, eine ernsthafte, öffentliche Diskussion zu beginnen, so kommentieren Ingrid Mühlhauser und Gabriele Meyer vom Deutschen Netzwerk für Evidenzbasierte Medizin (DNEbM). Zu beunruhigend seien die wissenschaftlichen Ergebnisse aus den letzten Jahren, die einen Nutzen des Mammografie-Screenings in Frage stellen und den bisher unterschätzten Schaden deutlich machen. Die Informationsprozesse im deutschen Screening-Programm seien nicht geeignet, den Frauen informierte Entscheidungen zu ermöglichen. Einer aktuellen Umfrage des Gesundheitsmonitors von Barmer GEK und Bertelsmann-Stiftung zufolge glaubt jede dritte Frau sogar, die Mammografie könne Brustkrebs verhindern, über Schäden wussten die wenigsten Frauen etwas. Fazit: Auf dieser Grundlage können Frauen keine "informierte Entscheidung" fällen.

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