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Wahlprüfsteine zur Berliner Abgeordnetenhauswahl 2021

Das Netzwerk Frauengesundheit hat Wahlprüfsteine erarbeitet, die sechs Themenbereiche betreffen:
reproduktive Gesundheit, gesundheitliche Folgen von Gewalt, gesundheitliche Versorgung von Migrantinnen, Frauen mit Behinderungen/ chronischen Erkrankungen, Frauen und Sucht sowie als Querschnittsaufgabe die psychische Gesundheit.

Es folgen die Empfehlungen zu Frauen mit Behinderungen/ chronischen Erkrankungen :

In Berlin leben mehr als 85.000 schwerbehinderte Frauen, die mindestens zu einer der vier Kategorien für Behinderungen unterschieden. gehören. In jeder der 4 Kategorien sind Frauen überrepräsentiert.
Mit der Ratifizierung der UN-BRK am 26.03.2009 hat sich die Bundesrepublik Deutschland und damit auch Berlin verpflichtet, Menschen mit Behinderung ein „Höchstmaß an Gesundheit ohne Diskriminierung“ zu ermöglichen. Für Frauen gehört dazu auch eine wohnortnahe, bedarfsgerechte, barrierefreie frauenärztliche ambulante Versorgung, vergleichbar in Qualität und Quantität mit der Versorgung, wie sie der Allgemeinheit zur Verfügung steht.
Um sich diesen Zielen zu nähern, hatte die Berliner Koalition am „Ende der Legislaturperiode“ 2016-2021 u.a. einen „(Spezial-)Bericht zur Lebens- und Gesundheitssituation von Frauen mit Behinderung“ in Aussicht gestellt. In diesem Zusammenhang sollten „unter Einbeziehung der Betroffenen“ auch „objektive und transparente Kriterien für die Barrierefreiheit in Berlin“ erarbeitet werden.
Dieses Ziel wird aller Voraussicht nach nicht erreicht.
Mit einem Teilbereich, der Verbesserung des barrierefreien Zugangs zur frauenärztlichen ambulanten Versorgung, hat sich die Arbeitsgruppe in den letzten vier Jahren beschäftigt.

Daraus resultieren die folgenden Empfehlungen für die nächste Legislaturperiode.

Verbesserung der frauenärztlichen ambulanten Versorgung in Berlin
Die Schaffung von barrierefreien Zugängen von Frauen mit Behinderung in die Arztpraxen, Krankenhäusern sowie anderen medizinischen Versorgungseinrichtungen wird eine der zentralen Aufgaben für die nächste Legislaturperiode sein.

Empfehlung 1
Für die gynäkologische Versorgung von Frauen mit Behinderung müssen - neben allgemein gültigen - spezifische Kriterien der Barrierefreiheit entwickelt werden. Der baldmöglichst zu erarbeitende Kriterienkatalog sollte die Vorarbeiten des Runden Tisches „Barrierefreie frauenärztliche ambulante Versorgung“ aufnehmen. Der Kriterienkatalog sollte der Berliner Politik als Qualitätsmaßstab zur Bewertung der frauenärztlichen ambulanten Versorgung von Frauen mit Behinderungen in Berlin dienen.

Empfehlung 2
Wir empfehlen der Berliner Politik und dem Senat, sich mit damit zu befassen, welche Anreize (etwa einen Preis für Bestpraxis) sie setzen kann, um niedergelassene Frauenärztinnen- und –ärzte zu unterstützen und zu motivieren, ihre Praxen barrierefrei zu gestalten.

Verbesserung der Datenlage
Ein Spezialbericht zur Lebens- und Gesundheitssituation von Frauen mit Behinderung ermöglicht gezielte politische Maßnahmen zur Verbesserung der gesundheitlichen und sozialen Situation von Frauen mit Behinderung.
Dazu bedarf es aussagekräftiger Daten. Diese liegen gegenwärtig zumindest bzgl der Gesundheitslage nicht vor.

Empfehlung 3
Zur Verbesserung der Datenlage zum Thema „Gesundheit ohne Diskriminierung“ halten wir ein Forschungsprojekt für dringend erforderlich, in welchem Daten zur Lebens- und Gesundheitssituation (inklusive der gynäkologischen Versorgung) von Frauen mit Behinderung und zwar aus den 4 definierten Kategorien erhoben werden.

Empfehlung 4
Die hier erhobenen Daten sollten Bestandteil eines Spezialberichts für Frauen mit Behinderung werden.

Aus­, Fort­ und Weiterbildung
Frauen mit Behinderung fühlen sich häufig nicht angemessen medizinisch und/oder pflegerisch behandelt.

Empfehlung 5
Der Senat von Berlin sollte geeignete Maßnahmen in der Fort-und Weiterbildung ergreifen, um auf die Bewusstseinsbildung des medizinischen und pflegerischen Fachpersonals im Sinne der UN­BRK hinzuwirken.

Empfehlung 6
Wir empfehlen der Berliner Politik und dem Senat, Einfluss zu nehmen auf die Ausbildungscurricula von Pflegekräften und medizinischem Fachpersonal und sich dafür einzusetzen, dass Lernziele implementiert werden, die für die Belange von Menschen mit Behinderungen sensibilisieren wie auch solcher, die die Herausbildung von Fähigkeiten zur Reflexion verinnerlichter Einstellungen und Haltungen fördern.

Vollständiger Text der Wahlprüfsteine 2021


Runder Tisch "Barrierefreie frauenärztliche Versorgung in Berlin"

Dokumentation der 1. Sitzung:

1. Sitzung des Runden Tisches „Barrierefreie frauenärztliche Versorgung in Berlin“ am 08.07.2016 von 14 bis 16 Uhr im Familienplanungszentrum Balance:
Protokoll v. 08.07.2016

Mitgliedsorganisationen + deren Vertreter+innen (August 2016): Liste

Geschäftsordnung des Runden Tischs „Barrierefreie frauenärztliche Versorgung in Berlin"

Anlage 1: Auszug aus der UN-Konvention für die Rechte von Behinderten - Artikel 9


Konstituierung Runder Tisch: Verbesserung gynäkologischer Versorgung von Frauen mit Behinderung in Berlin

Am 8. April 2016 fand die Auftaktveranstaltung für die Konstituierung des Rundes Tisches statt. Der zu konstituierende „Runde Tisch" hat das Ziel, die mangelhafte gynäkologische Versorgung in Berlin grundlegend zu ver­bessern und Frauen mit Behinderungen – schwer mobilitätseingeschränkte Frauen, Frauen mit Lernbeeinträchtigung und/oder Sinnesbehinderung – zu einer ihnen adäqua­ten und gleichberechtigten gynäkologischen Versorgung und einer wohnortnahen und freien Gynäkolog_innenwahl in Berlin zu verhelfen.

Hier finden Sie die Vorträge der Referent_innen:

Stand der Durchsetzung der UN-Behindertenkonvention im Berliner Gesundheitswesen
von Dr. Jürgen Schneider (Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderung Berlin)

Behandlungserfahrungen mit Frauen mit Lernbeeinträchtigung
von Christina Schneider (Ärztin/Psychotherapeutin, Pro Familia)

Behandlungserfahrungen mit stark mobilitätseingeschränkten Frauen
Dr. Katrin Wolf (Gynäkologin, Familien-planungszentrum Balance)

Reproduktive und sexuelle Gesundheit behinderter Frauen in Forschung, Lehre und Praxis
von Dr. Marion Michel (Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health Universität Leipzig und Leben mit Handicaps e.V.)

Angebot mit eingeschränkter Ärzt_innenwahl: Die barrierefreie gynäkologische Ambulanz in Bremen
von Prof. Dr. Swantje Köbsell (AG „Barrierefreie Gynäkologie“)

Der Runde Tisch – Arbeitsweise und Mitgliedschaften
von Ulrike Haase (AG „Barrierefreie Gynäkologie“)

Pressemitteilung (11.04.2016)


"Zur gynäkologischen Versorgung von Frauen mit Behinderung"

Vor neun Jahren trat die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland in Kraft. Aus diesem Anlass hat der AKF e.V. mit Ulrike Haase vom Netzwerk behinderter Frauen in Berlin e.V. über die gynäkologische Versorgung von Frauen mit Behinderung gesprochen (AKF-Interview Nr. 14, März 2018): 

"AKF: Du bietest u. a. Beratungen für Frauen mit Behinderungen an. Sind auch Frauen dabei, die eine Empfehlung für eine frauenärztliche Versorgung wünschen?

Ja, das kommt durchaus vor, weil es schwierig ist, eine Praxis zu finden, die barrierefrei zugänglich ist. Die von der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin bereitgestellten Informationen zur Barrierefreiheit von Arztpraxen sind häufig irreführend. Sie beruhen auf der Selbstauskunft von Ärzt*innen. Oft stehen Frauen vor einer gynäkologischen Praxis, zum Beispiel mit einem Rollstuhl, und kommen nicht rein. Es ist zu wenig Platz im Umkleidebereich, die Toilette ist nicht rollstuhlgerecht und vor allem: der gynäkologische Untersuchungsstuhl ist für Frauen mit körperlichen Beeinträchtigungen nicht geeignet. (...)"

Dokumentation des Interviews


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